Körper-Arbeit


Ein Psychotrauma betrifft erst einmal unsere Psyche. Es gab Ereignisse oder es gibt Situationen, die uns psychischen Schmerz bereiten, der teilweise so überwältigend war oder ist, dass wir ihn verdrängen müssen. Gleichzeitig vollzieht unser Körper eine Reaktion, die bei jedem Menschen individuell ist. Viele reagieren durch Muskelanspannungen, die den Kampf oder die Flucht vorbereiten. Auch eine Körperstarre, die uns schützen soll, kann erfolgen. Ebenso sind Reaktionen bis hin zum Kollaps möglich. Wir ziehen den Kopf ein, beißen die Zähne zusammen, kauern uns innerlich in eine Ecke oder bereiten uns muskulär auf Flucht oder Angriff vor. 

 

 

Dies alles sind natürliche körperliche Reaktionen, die seit vielen Jahrtausenden unser Überleben gesichert haben. Gesteuert wird dieser Prozess nicht willentlich, sondern wird durch unser Stammhirn beziehungsweise unser Reptiliengehirn autonom gelenkt. Dies findet bei allen Säugetieren so statt. Bei den Tieren gibt es dann sofort nach dem Schockerlebnis eine entladende Reaktion, die die energetische Ladung (biochemische und neuromuskuläre Ladung) ableitet. Zum Beispiel durch Zittern, Schütteln oder Laufen. Beim Menschen, besonders in zivilisierten Kulturen, findet diese Ableitungsreaktion nicht mehr so statt. 

 

Je nach der individuellen Kompensationsmöglichkeit, können sich diese Trauma-bedingten, energetischen Ladungen im autonomen Nervensystem festsetzen. Dann sind wir beispielsweise dauerhaft verspannt oder in einem permanenten körperlichen Alarmzustand. 

 

Da das Stammhirn vollständig autonom arbeitet, kann es sein, dass unsere psychische Arbeit an Traumata den körperlichen Ableitungsprozess nicht vollständig bewirkt. Deshalb macht es manchmal Sinn, gleichzeitig mit dem Körper zu arbeiten. Hier bieten sich die Übungen des „Neurogenen Zitterns“ an, die durch schnelle Anspannungs- und Entspannungs-Zyklen die aufgestauten Trauma-Energien ableiten. 

 

Gefühle können wieder fließen und authentisch wahrgenommen und in der seelische Trauma-Arbeit integriert werden. 

 

Fließende Gefühle sind niemals gefährlich; aufgestaute Gefühle hingegen schon.